
22.776 Menschen haben für den Erhalt der Thüringer Hallenbäder unterschrieben – Initiative „Bäder in Not“ fordert konkrete Entscheidungen von Landtag und Landesregierung
Die Zukunft der Thüringer Hallenbäder steht am 1. September erneut im Mittelpunkt der Landespolitik. Im Petitionsausschuss des Thüringer Landtages findet an diesem Tag die Anhörung zur Petition der Initiative „Bäder in Not“ statt. 22.776 Menschen haben die Forderungen der Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützt.
Auch für Schmölln ist die Frage der zukünftigen Finanzierung der Hallenbäder von unmittelbarer Bedeutung. Das Tatami ist weit mehr als ein Freizeitangebot: Es ist ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge und bietet Raum für Schulschwimmen, Schwimmausbildung, Vereinssport, Gesundheitsangebote und Freizeit. Gleichzeitig stehen die Betreiber angesichts steigender Personal-, Energie- und Materialkosten vor großen finanziellen Herausforderungen.
„Das Tatami ist ein wichtiger Bestandteil unserer Stadt und der gesamten Region. Wir wollen, dass Menschen auch künftig in Schmölln schwimmen lernen, Sport treiben und ihre Freizeit verbringen können. Dafür brauchen wir aber Rahmenbedingungen, unter denen ein kommunales Bad dauerhaft betrieben werden kann“, betont Bürgermeister Sven Schrade.
Die Situation in Schmölln steht dabei beispielhaft für die Herausforderungen vieler kommunaler Hallenbäder in Thüringen. Die Betreiber haben in den vergangenen Jahren Einsparpotenziale genutzt und in ihre Anlagen investiert. Dennoch lässt sich die strukturelle Finanzierungslücke nicht allein durch die Kommunen schließen. Gleichzeitig sind kostendeckende Eintrittspreise weder realistisch noch sozial vertretbar.
Die Initiative „Bäder in Not“, der sich inzwischen mehr als 30 Thüringer Hallenbäder angeschlossen haben, fordert deshalb weiterhin eine dauerhaft tragfähige Finanzierung und eine klare politische Verantwortung des Landes.
Fünf Forderungen an die Landespolitik
Die Kernforderungen der Initiative bleiben unverändert:
1. Koalitionsvertrag einhalten: Die zugesagte Unterstützung der kommunalen Thüringer Hallenbäder muss umgesetzt werden.
2. Ausreichend Mittel bereitstellen: Für die Jahre 2026 und 2027 werden jeweils 30 Millionen Euro zur Sicherung von Betrieb und Erhalt der Thüringer Hallenbäder benötigt.
3. Verbindliche Gespräche führen: Gemeinsam mit den Koalitionsfraktionen soll kurzfristig ein abschließender Vorschlag zum Erhalt der Thüringer Hallenbäder erarbeitet werden.
4. Politische Verantwortung klären: Ein Bäderbeauftragter der Landesregierung auf Staatssekretärsebene soll die Finanzierung und die Bäderkonzeption ressortübergreifend koordinieren.
5. Bäderkonzeption 2040 abschließen: Die Konzeption muss bis Ende 2026 fertiggestellt und mit einem belastbaren Finanzierungs- und Umsetzungsplan verbunden werden.
Schwimmbäder sind Daseinsvorsorge – auch in Schmölln
Wie wichtig Hallenbäder für die Gesellschaft sind, zeigt sich unmittelbar vor Ort. Das Tatami erfüllt zahlreiche Funktionen, die über den klassischen Freizeitbetrieb hinausgehen. Es unterstützt die Schwimmausbildung von Kindern, bietet Möglichkeiten für Sport und Bewegung und ist Treffpunkt für Menschen aus Schmölln und der Region.
„Wir sprechen hier nicht über ein Luxusangebot, sondern über Infrastruktur, die für Bildung, Gesundheit, Sport und gesellschaftliche Teilhabe eine wichtige Rolle spielt“, so Schrade. „Deshalb ist es richtig und notwendig, dass das Land Verantwortung übernimmt und gemeinsam mit den Kommunen eine langfristige Lösung entwickelt.“
Bereits am 29. September 2025 hatten Vertreter Thüringer Bäder eine gemeinsame Resolution unterzeichnet. Nachdem eine ausreichende politische Reaktion ausblieb, folgten eine Demonstration vor dem Thüringer Landtag und schließlich die Petition. Die 22.776 Unterstützerunterschriften wurden am 5. März 2026 an Landtagspräsident Dr. Thadäus König übergeben.
Die nun stattfindende Anhörung ist deshalb ein wichtiger Schritt. Aus Sicht der Initiative darf sie jedoch nicht bei einer erneuten Beschreibung der schwierigen Situation stehen bleiben. Es braucht konkrete und belastbare Entscheidungen.
Die Initiative „Bäder in Not“ appelliert daher an den Thüringer Landtag und die Landesregierung, jetzt die notwendigen Weichen zu stellen: für eine verlässliche Finanzierung, klare Zuständigkeiten und einen konkreten Zeitplan.
Denn auch in Schmölln gilt: Damit das Tatami langfristig eine Perspektive hat, braucht es neben dem Engagement vor Ort auch verlässliche Unterstützung auf Landesebene.
Die Anhörung im Petitionsausschuss des Thüringer Landtages findet am 1. September 2026 um 15:30 Uhr statt. Sie kann vor Ort sowie per Livestream verfolgt werden.
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